150 Jahre Freiwillige Feuerwehr Trostberg
 

Die Atemschutztrainingsanlage im Trostberger Feuerwehrhaus wurde komplett neu gestaltet

Trostberg (gr). Die Atemschutzausbilder haben in den zurückliegenden Wochen die Atemschutzübungsstrecke in der Trostberger Feuerwache komplett demontiert, die Teile wieder hergerichtet und alles neu und in anderer Form zusammengebaut. 43 der 81 Feuerwehren aus dem Landkreis Traunstein trainieren in dieser Einrichtung. Mitte des Monats beginnen wieder Lehrgänge, gegen Ende September wird die "neue" Einrichtung ihre Bewährungsprobe überstehen müssen.

Die Atemschutzübungsstrecke in Trostberg gehört dem Landkreis Traunstein, der die Räumlichkeiten in der Feuerwache Trostberg gemietet hat. Betrieben wird sie vom Kreisfeuerwehrverband Traunstein. Sie ist entstanden im Jahr 1987 mit dem Neubau der Feuerwache Trostberg an der Tittmoninger Straße. Seither betreibt der Kreis auch die staatlich anerkannte Anlage. Sie enthält unter anderem einen Vorbereitungsraum, in dem die Schulungsteilnehmer ihre Ausrüstung anlegen können. Durch ein Schleusensystem gelangen sie dann in die eigentliche Übungsstrecke. Mit enthalten ist auch ein Gasraum, in dem die Dichtheit von Atemschutzgeräten geprüft und auch das Messen der Konzentration von Übungsgas trainiert werden kann.

Besonders gefürchtet bei den Schulungsteilnehmern ist die etwa 50 Meter lange Kriechstrecke mit Wärmezone, einer Vernebelungs- und einer Lichteffektanlage. Dieser Teil der Strecke besteht aus aneinander gereihten Gitterwürfeln mit einer Kantenlänge von einem Meter. Die Wände und der Deckel sind aus Drahtgitterelementen gefertigt. Alle Räume können wirklichkeitsnah mit Geräuschen erfüllt werden, wie sie bei einem Brand entstehen. Dazu können sie auch mit Schreien und sogar Schreie und Lichteffekte dem Knall von Explosionen und dergleichen beschallt werden um den Übungseffekt zu steigern und vor allem die Kommunikation der "Atemschutzler" in der Strecke zu erschweren. Mit der Sanierung der Anlage wurde auch die Strecke geändert. Denn: "Alte Hasen, die seit Jahren herkommen, wussten genau, wie sie sich in dem Kriechbereich bewegen mussten, sie kannten praktisch schon alles auswendig, der Übungseffekt wurde dadurch deutlich verringert", berichtete einer der Ausbilder. Künftig werden sich die Probanden in der Anlage auf ganz neue Situationen einstellen müssen, wie dies ja auch bei jedem Brand der Fall ist.

Der Boden der Anlage besteht aus einer "schwimmenden" Trittplatte mit Elektrokontakten die beim Betreten im Leitstand die Position des jeweiligen Atemschutztrupps anzeigt. Sämtliche Räume sind video- und geräuschüberwacht und mit einer Gegensprechanlage ausgestattet.

Die Atemschutz-Kreisausbilder haben ehrenamtlich rund 150 Stunden investiert, um die Anlage wieder auf den neuesten Stand zu bringen. Sie haben alle Teile demontiert, gereinigt und anschließend wieder zusammengebaut. Dabei waren auch Reparaturen an der Elektrik, an der Verdunklungs- und an der Gitteranlage erforderlich. Insbesondere mussten die Trittkontakte zur Bestimmung der Position der Atemschutzträger für Notfälle auf Vordermann gebracht werden.

Insgesamt stehen 14 Ausbilder zur Verfügung, die von den Feuerwehren Trostberg, Kienberg, Obing, Tacherting, Stein, Palling, Tittmoning und des Chemieparks Trostberg kommen. Die Leitung hat Christof Grundner, Fach-Kreisbrandmeister für Atemschutz und Gefahrgut, sein Stellvertreter ist Manfred Kleinschwärzer von der Feuerwehr Trostberg. Für den laufenden Ausbildungsbetrieb sorgen neben diesen beiden Ulrich Binder vom Chemiepark Trostberg, Ralf Bonelli, Tittmoning, Franz Grill, Christian Scherbauer und Norbert Scheiner, Tacherting, Sabine Zahmel, Obing, Christian Weidinger, Stein a. d. Traun, Stefan Thurner und Andreas Grabmüller, Trostberg, Thomas Hartenberger, Palling, und Martin Hochreiter, Kienberg.

Die Trostberger Übungsstätte dient der Ausbildung von Feuerwehrleuten zu Atemschutzgeräteträgern und Trägern von Chemikalienschutzanzügen (CSA). Jeder Atemschutzgeräteträger muss dort eine jährlich vorgeschriebene Belastungsübung durchstehen. Ziele sind dabei, die körperlichen Leistungsgrenzen kennen zu lernen, das Bedienen der Atemschutzgeräte in beengten und dunklen Räumen zu üben und die Kommunikation unter erschwerten Bedingungen aufrecht zu erhalten. Pro Jahr gibt es in der Trostberger Anlage 25 Belastungstermine mit rund 800 Teilnehmern, dazu vier Lehrgänge zum Träger 800 Teilnehmer im Jahr von Chemikalienschutzanzügen mit 32 Teilnehmern und drei Lehrgänge zum Träger von Atemschutzgeräten mit 68 Teilnehmern. Die Kreisausbilder investieren dazu ehrenamtlich pro Jahr rund 800 Stunden, jeder von ihnen also etwa 60 Stunden pro Jahr.

Das Einzugsgebiet der Übungsstrecke Trostberg umfasst alle Feuerwehren des nördlichen Landkreises Traunstein sowie des Technischen Hilfswerks Traunreut. Die Feuerwehrler kommen aus Albertaich, Altenmarkt, von der Firma Alzmetall, aus Asten, vom Chemiepark Trostberg, aus Emertsham, Engelsberg, Freutsmoos, Heiligkreuz, Kay, Kienberg, Kirchanschöring, Kirchstätt, Lindach, vom Linde-Werk Schalchen, aus Feuerwehren und THW Maisenberg, Matzing, Oberfeldkirchen, Obing, Palling, Peterskirchen, Pierling, Pittenhart, Rabenden, Schnaitsee, Seebruck, Seeon, vom Siemens-Werk Traunreut, aus Stein, Tacherting, Taching, Tengling, vom THW Traunreut, aus Tittmoning, Törring, Traunreut, Traunwalchen, Trostberg, Truchtlaching, Waldhausen sowie aus Kirchweidach und Tyrlaching aus dem Nachbarlandkreis Altötting. Für den südlichen Landkreis Traunstein betreibt der Kreis eine zweite Übungsstrecke im Feuerwehrgerätehaus in Traunstein.

Der Landkreis Traunstein hat heuer auch einen Defibrillator (AED) zur Erhöhung der Sicherheit der Atemschutztrupps beschafft, der im Sanitätsraum der Anlage bereit steht. Dabei handelt es sich um ein so genanntes Laiengerät, das ohne größere Schulung gehandhabt werden kann. Kreisfeuerwehrarzt Dr. Holger Hübner übernahm die Einweisung der Atemschutzkreisausbilder. Daneben steht auch ein Übungsgerät zur Verfügung. Mit dem können Erste-Hilfe-Maßnahmen trainiert werden.

Trostberger Tagblatt am 10.09.2008