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Acht Feuerwehrler übten unter echtem Feuer und dichtem Rauch

Trostberg/Traunstein. Acht Feuerwehrler aus dem Landkreis Traunstein, darunter vier die zur staatlich anerkannten Ausbildungsstätte Trostberg, untergebracht an der Feuerwache in der Tittmoninger Straße, zählen und Kreisbrandmeister Christof Grundner, konnten bei einem zweitägigen Lehrgang im Brandhaus der staatlichen Feuerwehrschule Würzburg wichtige Erfahrungen sammeln. Die in Bayern einzigartige Übungsanlage bietet die Möglichkeit, unter realitätsnahen Bedingungen gefahrlos die Brandbekämpfung unter schwerem Atemschutz zu üben. Die gesammelten Erfahrungen aus dieser Fortbildung fließen in die Ausbildung der Atemschutzgeräteträger im Landkreis mit ein.

Die staatliche Feuerwehrschule Würzburg ist die einzige der drei Feuerwehrschulen in Bayern, die ein Brandhaus in dieser Form betreibt. Bei dem Gebäude handelt es sich um ein komplettes Zweifamilienhaus mit Keller, Garage, und zwei Wohnungen. Alle Einrichtungsgegenstände wie Küche, Bett oder Schränke sind aus Edelstahl gefertigt. In der Garage steht ein komplettes Auto zur Verfügung. In den Räumen befinden sich sechs Brandstellen, die computergesteuert mit Gas befeuert werden. Das Haus kann dabei bis zur Nullsicht verraucht werden. Zur weiteren psychischen Beeinflussung der Atemschutzgeräteträger können Geräusche eingespielt werden. Von einem Leitstand aus überwacht ein Ausbilder die gesamte Anlage.

Der Schwerpunkt der zweitägigen Ausbildung bestand in der Einsatztaktik. Dazu wurden mehrere Einsatzsituationen nachgestellt, wie sie auch im Feuerwehralltag auftreten. Jeweils ein Trupp, bestehend aus zwei Atemschutzgeräteträgern, ging zusammen mit einem Ausbilder in den Brandraum vor und musste das Szenario selbstständig lösen. Im Anschluss wurde die Übung dann mit dem jeweiligen Ausbilder durchgesprochen und über Verbesserungsmöglichkeiten diskutiert. "Der Lerneffekt ist bei dieser Methode wesentlich besser, als wenn die Übung vorher durchgesprochen und dann nur noch abgearbeitet wird", waren sich die Teilnehmer einig.

Bei den Übungen mussten die Teilnehmer auf jede Menge Gefahren und Überraschungen gefasst sein. So galt es, bei einem Küchenbrand in Flammen stehendes Fett zu erkennen. Wer da mit Wasser löscht, löst im Ernstfall eine verheerende Fettexplosion aus. Bei einem Werkstatt-Szenario musste eine brennende Gasflasche gefunden und gekühlt werden, bevor es zur Explosion kommen konnte. Beides sind Situationen, auf die die Atemschutzgeräteträger im Einsatzalltag jederzeit treffen können.

Am zweiten Tag wurden die Bedingungen verschärft. Bei einem Wohnungs- und einem Kellerbrand waren mehrere vermisste Personen zu finden. Insbesondere die Suche nach einem schreienden Baby ging den beteiligten Feuerwehrlern an die Nieren. Da in dem Raum fast nichts zu sehen war, konnten sich die Teilnehmer nur kriechend und tastend vorwärts bewegen, bis sie das "Opfer" endlich in den Armen hielten.

Auch auf einen Flashover, das ist eine explosionsartige Durchzündung von Rauchgasen, musste richtig reagiert werden. Der Flashover ist in Feuerwehrkreisen besonders gefürchtet, da er immer wieder zu schweren Unfällen führt, die manchmal auch tödlich enden. Im Landkreis Traunstein gab es bereits einen derartigen Unfall. Mit der richtigen Taktik und den entsprechenden Reaktionen können die Gefahren des Flashovers wesentlich reduziert werden.

Jeder Trupp führte in den zwei Tagen insgesamt vier Übungen durch. Dabei wurden die Teilnehmer an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit herangeführt. Durch dieses intensive Training werden die Aktiven auf den Ernstfall vorbereitet, um schnelle und effektive Hilfe leisten zu können, ohne dabei selber einen gesundheitlichen Schaden zu erleiden.

Natürlich kam auch die Kameradschaft nicht zu kurz. Insbesondere an den Abenden konnten die Teilnehmer ihre Erfahrungen austauschen und angeregte Diskussionen führen. "Die Übungsmöglichkeiten im Brandhaus sind für uns natürlich ideal", so ein Teilnehmer. "Es ist für die Feuerwehren sehr schwierig, ein Gebäude zu finden, in dem wir realitätsnah auch mit Wasser üben können. Das geht normalerweise nur, wenn wir zufällig von einem Abbruchhaus erfahren, in dem wir das richtige Vorgehen und die richtige Strahlrohrtechnik üben können, ohne einen Wasserschaden oder Zerstörungen an der Einrichtung befürchten zu müssen. Vom Anzünden von echtem Feuer ganz zu schweigen - das kann man nur unter kontrollierten Bedingungen tun."

Die Regierung weist dem Landkreis Traunstein alle zwei Jahre acht Plätze für das Brandhaus zu. Diese werden von den Atemschutzausbildern der anerkannten Ausbildungsstätten in Traunstein und Trostberg genutzt, um die Erfahrungen in die Ausbildung junger Atemschutzgeräteträger für die Feuerwehren im Landkreis Traunstein einfließen zu lassen. "Natürlich wäre es schön, wenn wir mehr Plätze bekommen und somit auch andere Atemschutzgeräteträger auf diesen Lehrgang schicken könnten", meinte Christof Grundner, der als Fach-Kreisbrandmeister für den Atemschutz im Landkreis Traunstein zuständig ist. "Die Plätze sind jedoch sehr schwer zu bekommen. Würden alle Atemschutzgeräteträger aus Bayern einmal in ihrem Leben zum Brandhaus fahren, so dauert das rund 60 Jahre, haben wird von den Ausbildern gehört."

Für den Landkreis Traunstein nahmen teil: Stefan Thurner, Andreas Grabmüller und Michael Fischer (alle Trostberg) sowie Martin Hochreiter (Kienberg), die zur Ausbildungsstelle Trostberg gehören, Wolfgang Söldner (Siegsdorf), Thomas Maier und Bernhard Steinberger (beide Traunstein), die zur Ausbildungsstelle Traunstein gehören, und Fachkreisbrandmeister Christof Grundner aus Trostberg.