150 Jahre Freiwillige Feuerwehr Trostberg
 

Störung im Werk Trostberg der AlzChem und der BASF als Szenario angenommen

Hauptziel: Die Bevölkerung schützen

 

Lautsprecherdurchsagen, Absperrungen rund um den Chemiepark -- Acht Feuerwehren am Dienstagabend im Einsatz

 

Trostberg (gr). Eine groß anlegte "Bewarnungs-" und Absperrübung wurde am Dienstagabend rund um den Chemiepark Trostberg durchgeführt. Sinn war es, zu proben, wie die Bevölkerung gewarnt werden kann, wenn zum Beispiel Gas austreten würde, und wie verhindert werden kann, dass Menschen in den angenommenen Gefahrenbereich gelangen. Im Einsatz waren neben der Werksfeuerwehr des Chemieparks sieben weitere Wehren, dazu die Fachleute der Kreisbrandinspektion und des Landratsamtes sowie Beamte der Polizeiinspektion Trostberg.

 

 

"Wir hoffen, dass dieser Unglücksfall niemals eintritt", sagte Kommandant Franz Kaltenecker von der Werksfeuerwehr Trostberg, "aber wenn doch, sollten wir gerüstet sein. Jede Feuerwehr muss genau wissen, was sie zu tun hat". Aus diesem Grund hätten Kreisbrandrat Hans Gnadl und Kreisbrandinspektor Paul Klinger diese Übung angesetzt, an der die Freiwilligen Feuerwehren Trostberg, Tacherting, Stein, Traunreut, Lindach, Altenmarkt und die Alzmetall-Werksfeuerwehr teilgenommen hatten. Zudem war die so genannte UG-OEL dabei, die Unterstützungsgruppe Örtliche Einsatzleitung, die ihr Leitfahrzeug am Tor Nord des Chemieparks aufgebaut hatte.

Hauptaufgabe war es, die Zufahrten zum Werk abzuriegeln. Dafür waren die Freiwilligen Feuerwehren Lindach und Stein sowie Altenmarkt und die Alzmetall Werksfeuerwehr zuständig. Sie waren postiert in der Dr.-Albert-Frank-Straße, beim "Damenberg", also an der Zufahrt von der Friedrich-Ebert-Straße her, Richtung Wimpasing und auf der Straße nach Nock und beim Zugang über den Wehrbau. Die übrigen Wehren haben Fahrzeuge, die mit sehr leistungstarken Lautsprecheranlagen versehen sind und mit denen per Kassette vorgegebene Durchsagen erfolgen können. In diesem Fall war zu hören: "Übung, Übung, Übung. Dies ist eine Übung der Feuerwehr zur Bewarnung der Bevölkerung!"

Bei den Feuerwehren liegen noch vier weitere Kassetten bereit. Da heißt es dann zum Beispiel "Achtung! Achtung! Hier spricht die Feuerwehr. Durch eine betriebliche Störung sind im Chemiepark Trostberg Gase freigesetzt worden. Beim Aufenthalt im Freien droht Gefahr. Begeben Sie sich bitte sofort in ein Gebäude! Schließen Sie Fenster und Türen, Schalten sie Klima-, Lüftungs- und Heizungsanlage ab! Helfen Sie alten und behinderten Nachbarn! Bei gesundheitlichen Beeinträchtigungen kontaktieren Sie bitte die Notaufnahme im Krankenhaus Trostberg oder die Rettungsleitstelle unter Tel. 112! Stellen Sie Ihr Rundfunkgerät an und achten Sie auf weitere Durchsagen der Feuerwehr!"

Sollte die Lage schlimmer, werden, gibt es eine weitere Kassette, die die Bevölkerung zur Vorbereitung einer Evakuierung aufruft. Eine dritte richtet sich an Badegäste in der Alz, in die unter Umständen Chemikalien gelangen könnten. Die Kassette vier dient dann der Entwarnung: "Die Gefahr ist be-seitigt, eine Gesundheitsgefahr besteht nicht mehr, der Auf-

enthalt im Freien ist wieder uneingeschränkt möglich! Öffnen Sie Fenster und Türen zum Lüften!"

Für die so genannte Bewarnung sind Zonen ausgewiesen, die je nach Windrichtung durch austretende Gase betroffen sein könnten. In diesem Fall war die Annahme, dass sich die Gaswolke Richtung Pienzenauer- und Hertzhaimerstraße bis nach Wimm bewegen würde. In diesem Gebiet wurden alle Straßen drei Mal abgefahren. "Ich habe es selber kontrolliert, die Durchsagen waren sehr gut zu hören", bestätigte Kommandant Kaltenecker gegenüber der Redaktion. Und auch Kreisbrandinspektor Paul Klinger zeigte sich mit dem Ablauf der Übung sehr zufrieden, ebenso Willi Steinhauer, Sachgebietsleiter Brand- und Katastrophenschutz im Landratsamt und seine Mitarbeiter und Wilfried Meyer, Leiter Technik und in diesem Fall Vertreter der Werksleitung des Chemieparks.

Die Erkenntnisse aus dieser Übung werden laut Kaltenecker nun an die Integrierte Leitstelle weitergegeben, damit diese im Ernstfall den einzelnen Feuerwehren exakt ihre Aufgaben zuweisen kann.

Wie wichtig die "Bewarmiunmg" ist, hat sich schon vor etwa zweieinhalb Jahren bei einem Brand im Chemiepark gezeigt. Damals hatte es keinen Chemieunfall und keinen Gasaustritt oder dergleichen gegeben, sondern "nur" einen "normalen" Brand mit verschmorten Kabeln und dementsprechend dickem beißendem Rauch, vor dem die Bevölkerung gewarnt werden musste.

 

Bericht und Fotos: Trostberger Tagblatt, 1. Juli 2010